Was ist ein Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom ist eine Funktionsstörung des Verdauungstrakts mit chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten (Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung) und Blähungen. Nachts treten die Beschwerden selten auf. Der Arzt findet keine krankhaften Organveränderungen. Ein Reizdarm ist nicht bösartig oder ansteckend und führt auch nicht zu einer Krebserkrankung. Obwohl die Erkrankung oft Monate oder Jahre dauert und das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigt, ist die Lebenserwartung nicht eingeschränkt.

Ein Reizdarm-Syndrom tritt typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals in Erscheinung. In Deutschland erkrankt jeder Fünfte in der Bevölkerung (sogar jeder zweite aller Patienten mit Magen-Darmbeschwerden). Frauen sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Häufig findet sich bei Patienten mit Reizdarm auch eine Glutenallergie.

Wie entsteht ein Reizdarm-Syndrom?

Die genaue Ursache der Krankheit ist nicht ausreichend bekannt. Vermutlich ist bei der Entstehung des Reizdarm-Syndroms eine Störung des Informationsaustauschs zwischen Gehirn und Darm beteiligt. Der Nerven-Botenstoff Serotonin (verantwortlich für die Steuerung der Darmfunktion und der Schmerzwahrnehmung) spielt wahrscheinlich eine Schlüsselrolle. Für diese Erklärung spricht die Beobachtung, dass beim Reizdarm-Syndrom die Bewegungsabläufe im Darm gestört sind und in vielen Fällen die Wahrnehmung schon normaler Verdauungsvorgänge schmerzhaft gesteigert ist. Die Beschwerden werden häufig von folgenden Umständen ausgelöst oder verschlimmert:
Zudem fanden Forscher eine erhöhte Zahl von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) in der Darmwand betroffener Patienten. Solche Veränderungen sprechen für eine Entzündung der Darmwand.

Welche Anzeichen verspürt man bei einem Reizdarm-Syndrom?

Der Reizdarm macht sich durch eine Reihe von typischen, oft quälenden Beschwerden bemerkbar, die sich tagsüber steigern können, nachts jedoch aufhören:
Treffen diese Symptome innerhalb eines Jahres während insgesamt zwölf Wochen zu und lassen sich keine anderen Ursachen für die Beschwerden finden, dann ist die Diagnose Reizdarm-Syndrom gesichert (Rom-Kriterien).

Beschwerden, die nicht den Verdauungstrakt betreffen, aber oft mit dem Reizdarm-Syndrom einhergehen, sind:

Welche Untersuchungen werden zur Diagnose benötigt?

Wichtig ist der Ausschluss anderer Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, chronische Dickdarmentzündung, Darmkrebs, Unverträglichkeit von Milchzucker, oder Magen-Darm-Infekte. Zusätzlich ist für den Arzt eine eingehende Erfragung der Krankengeschichte, der typischen Beschwerden und u. U. der begleitenden Erkrankungen von großer Wichtigkeit.

Wie ist die Prognose und welche allgemeinen Komplikationen können auftreten?

Ein Reizdarm-Syndrom ist nicht gefährlich, es führt nicht zu Krebs. Trotzdem beeinträchtigt es die Lebensqualität so stark, dass nicht selten Betroffene früh berentet werden. Die Beschwerden können ein Leben lang auftreten. Sie können zu- oder abnehmen und auch für einige Zeit abklingen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden bei richtiger Behandlung bis zu 50 Prozent der Betroffenen beschwerdefrei. Deshalb ist es für Reizdarm-Patienten sehr wichtig, einen erfahrenen Arzt ihres Vertrauens zu finden.

Quellen